Lohnt sich eine Berufshaftpflichtversicherung für mich?


Michael Prellberg
Autor
Das Wichtigste in Kürze
- Die Berufshaftpflicht ist für Selbstständige und Freiberufler:innen ein Existenzschutz: überall dort unverzichtbar, wo ein einziger Schnitzer immens teure Schäden auslösen kann.
- Die Versicherung schützt vor existenzbedrohenden finanziellen Konsequenzen von Schadenersatzansprüchen bei Personen-, Sach- und Vermögensschäden.
- Als „passiver Rechtsschutz“ wehrt die Berufshaftpflicht unberechtigte und überhöhte Forderungen ab. Die Versicherer scheuen sich nicht, vor Gericht zu ziehen.
Die Berufshaftpflichtversicherung schützt Selbstständige und Freiberufler:innen vor den finanziellen Folgen beruflicher Fehler. Weil solche Fehler deine Existenz bedrohen können, ist die Berufshaftpflicht in manchen Berufe verpflichtend vorgeschrieben. Die Versicherung begleicht berechtigte Schadenersatzforderungen und weist zugleich als „passiver Rechtsschutz“ unberechtigte Forderungen ab.
Warum brauche ich eine Berufshaftpflichtversicherung?
Wer jemanden schädigt, muss dafür haften. Im Berufsleben können bereits kleine Beratungs- oder Behandlungsfehler erhebliche Schäden verursachen. Das gilt für die Anwältin, die eine Frist verpasst, ebenso wie für den Arzt, der eine falsche Diagnose stellt. Das betrifft ebenso die Wirtschaftsprüferin, wenn sie die finanzielle Lage einer Firma fehlerhaft beurteilt. Oder den Architekten, dem ein Planungsfehler unterläuft.
Ob Versehen, Unachtsamkeit oder Missgriff: Die Folgen können teuer sein. Für beruflich verursachte Schäden haftest du in Deutschland grundsätzlich unbeschränkt: nicht nur mit dem Betriebs-, sondern auch mit deinem Privatvermögen. Willst du das verhindern, brauchst du eine Versicherung, um Schadensersatzforderungen zu bezahlen. Während Angestellte üblicherweise über ihren Arbeitgeber versichert sind, müssen sich Freiberufler:innen und Selbstständige selbst über eine Berufshaftpflicht absichern.
Weil Schnitzer und Patzer die berufliche Existenz bedrohen können, ist die Berufshaftpflicht für einige Berufsgruppen wie Ärzt:innen, Hebammen, Ingenieur:innen, Anwält:innen, Steuerberater:innen oder Architekt:innen sogar vorgeschrieben. Sinnvoll ist eine Berufshaftpflichtversicherung ebenso für freiberufliche Heilberufe wie Heilpraktiker:innen, Logopäd:innen, Masseur:innen, Physiotherapeut:innen oder Ernährungsberater:innen. Auch Yogalehrer:innen und Fitnesstrainer:innenr, IT-Dienstleister:innen und nicht zuletzt Journalist:innen sollten über eine Berufshaftpflicht nachdenken.
- Unser Tipp, falls du nur im Nebenjob selbstständig bist: Unterschätze die Risiken nicht! Auch ein kleiner Auftrag kann gewaltigen finanziellen Schaden anrichten.
Welche Schäden versichert die Berufshaftpflichtversicherung?
Viele Anbieter bieten die Berufshaftpflicht mittlerweile als Baukastensystem an. Du kannst die Bestandteile herausgreifen, die für dich relevant sind.
- Personenschäden (etwa Schmerzensgeld oder Behandlungskosten)
- Sachschäden (z. B. Reparatur- und Wiederbeschaffungskosten)
- Vermögensschäden (etwa Verdienst- oder Gewinnausfall)
In einigen Berufen sind Vermögensschäden das größte Risiko. Für Ingenieur:innen, Architekt:innen, Anwält:innen und Notar:innen, Steuerberater:innen, Wirtschaftsprüfer:innen und Sachverständige kann es sich lohnen, eine spezielle Vermögensschadenhaftpflicht statt einer allgemeinen Berufshaftpflicht als Versicherung abzuschließen.
Die Leistungen der Berufshaftpflichtversicherung
Die Berufshaftpflicht zahlt, soweit vertraglich festgehalten, Schadensersatz bei Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Zugleich dient sie als „passiver Rechtsschutz“, um unberechtigte Forderungen abzuwehren.
- Nicht jede Forderung ist nachvollziehbar. Die Versicherer prüfen in jedem Schadenfall, ob der Anspruch berechtigt ist.
- Unberechtigte und überhöhte Ansprüche werden abgewiesen, zur Not auch vor Gericht.
- Berechtigte Schadenersatzforderungen hingegen werden umgehend vom Versicherer beglichen.
Nicht versichert über deine Berufshaftpflicht sind sogenannte Eigenschäden (wenn du dir beim Arbeiten etwa den Finger brichst) sowie Schäden am und im eigenen Unternehmen (beispielsweise durch einen Kurzschluss). Ebenso ausgeschlossen sind Erfüllungsschäden, wenn du also eine vertraglich vereinbarte Leistung nicht erbracht hast.
Welche Summen sind über die Berufshaftpflicht abgedeckt?
In Berufen, die eine Berufshaftpflicht vorschreiben, sind auch die Versicherungssummen geregelt. Für Rechtsanwält:innen liegt diese Summe aktuell bei 250.000 Euro, für Ärzt:innen bei 3 Millionen Euro pro Schadensfall. Bei Architekt:innen und Ingenieur:innen kann es zu ebenso hohen Sachschäden kommen.
Bei Steuerberater:innen oder Wirtschaftsprüfer:innen ist das Risiko besonders hoch, Vermögensschäden zu verursachen. Dieses Risiko muss daher mit einer entsprechenden Summe abgesichert sein. In Berufen, bei denen Schäden weniger gravierende Auswirkungen haben, können wesentlich niedrigere Versicherungssummern vereinbart werden. Das ermöglicht monatliche Beiträge unterhalb der 10-Euro-Grenze. Generell gilt: Je höher deine Selbstbeteiligung, desto erschwinglicher die Beiträge. Übrigens kannst du die Versicherungsbeiträge steuerlich in vollem Umfang als Werbungskosten absetzen.
Welche Berufshaftpflichtversicherung ist die passende für mich?
Weil es bei der Berufshaftpflicht schnell um deine berufliche Existenz gehen kann, ist individuell zugeschnittener Schutz so wichtig. Wir empfehlen eine persönliche Beratung, um den für dich richtigen Anbieter zu ermitteln.
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